Singen ist Qualität

Über Qualität wird viel gesprochen. Sie wird eingefordert, oft pauschal und unreflektiert, als ob es eine absolute Qualität gäbe. In der Musikpraxis wird sie gerne gleichgesetzt mit Perfektion. Doch auch die ist relativ und definiert sich in jeder Epoche neu. Deswegen:

Lassen Sie uns über Qualität sprechen.

Was meint das Leitbild des Schwäbischen Chorverbands zum Begriff Qualität?
Es erwähnt ihn interessanterweise erst gar nicht, wohl wissend, dass man ihm andernfalls eine lange Fußnote folgen lassen müsste. Denn um welche Qualität soll es gehen? Unsere Chorvereine bieten drei Formen von Qualität:
  • künstlerische Qualität
  • pädagogische Qualität
  • soziale Qualität
Die letztgenannte ist mit Sicherheit die wichtigste, egal ob Traditionschor, Junger Chor oder Kinder- und Jugendchor. Gemeinsame Ziele schweißen zusammen, schaffen eigene Identität und menschliche Netzwerke. Überwiegt eine der drei genannten Formen der Qualität, geht das meist zu Lasten einer oder der beiden anderen. Das muss kein Beinbruch sein. Es ist einfach eine Feststellung

Singen ist Qualität

Auch in der Satzung des Schwäbischen Chorverbands ist die Forderung nach „Qualität" übrigens nicht zu finden. Doch zurück zum Leitbild des SCV. Die Präambel formuliert es so: „Singen ist ein Grundbedürfnis aller Alters- und Bevölkerungsgruppen. Es verbindet gesellschaftlich und kulturell."

Die gesellschaftliche und kulturelle Aktivität stehen im Mittelpunkt, keine für sich allein, sondern beide zusammen. Die eigentliche Qualität des Singens ist es, dass sie „ein Grundbedürfnis aller Alters- und Bevölkerungsgruppen" darstellt. Das SINGEN also ist die QUALITÄT, ein Stück Lebensqualität.

Wer mit Kindern singt, spürt, dass ihre Lust am Singen nicht geringer ist als die an sportlichen Aktivitäten oder medialem Konsum. Je rhythmischer die Lieder, je verrückter die Texte, desto größer die Begeisterung. Nur eines mögen Kinder nicht: Stillstand. Das gilt auch für ihren Körper und ihren Bewegungsdrang. Nicht das deutsche Lied, das Volkslied oder das Kunstlied definiert für sie Qualität, sondern die begeisterte Tätigkeit des Singens. Und das will der Schwäbische Chorverband gemäß Leitbild fördern, „in Chören, Schulen und Gemeinden in allen Bevölkerungs- und Altersgruppen.

Qualität im Laienchorwesen

Der Schwäbische Chorverband will Bewährtes erhalten und Innovatives fördern. Er schafft Rahmenbedingungen für die erfolgreiche Arbeit in seinen Chören und Vereinen. Der Schwäbische Chorverband fördert nachhaltig alle musikalischen, organisatorischen und gesellschaftlichen Aspekte des Singens und der Chorarbeit und übernimmt damit gesellschaftliche Verantwortung."

Dreimal das Wort „fördern" im Zusammenhang mit der gesellschaftlichen Verantwortung, der sich der SCV verpflichtet fühlt. Warum fehlt das Streben nach künstlerischer Qualität?

Weil es die gesamtgesellschaftliche Pyramide des Laienchorsingens gefährlich ins Wanken bringen würde. Jede Überbetonung eines einzelnen Parameters hätte sofort ausgrenzende Wirkung. Es gibt Chöre, die wollen singen und nicht arbeiten. Die wollen ihre Stimme kennenlernen und dann mehrstimmig singen. Das macht ihnen Spaß, deswegen sind sie im Gesangverein, und wegen der sozialen Kontakte: Das Käsebrot nach der Probe, die Wurst, das Viertele und die Gespräche bis kurz vor Mitternacht. Sie zahlen genauso ihren Mitgliedsbeitrag wie der Kammerchor, der es in 90 Minuten Probe bisweilen nicht schafft, die Motette ganz durchzusingen, weil man zu sehr an den einzelnen Takten gefeilt hat.

Und doch gibt es in nahezu jedem Chor das Bedürfnis, die Qualität zu steigern; denn Qualität hat viele Gesichter. Lassen sie uns im nächsten Heft SINGEN 5/2012 darüber sprechen.

Ihr Wolfgang Layer

14.03.2012 | Rubrik: Aktuell, Chorpraxis, SCV

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